Excellence in Production Der "Werkzeugbau des Jahres 2025" ist bei BMW in Eisenach

Von Richard Pergler 5 min Lesedauer

Schon zum 22. Mal kürte die Branche der Werkzeug- und Formenbauer ihre besten: Im Wettbewerb "Excellence in Produktion" konnte sich diesmal der interne Werkzeugbau von BMW am Standort Eisenach (Krauthausen) als Gesamtsieger durchsetzen.

Das ist der begehrte Preis - der Award "Werkzeugbau des Jahres", mit dem das beste Werkzeugbauunternehmen oder die beste Werkzeugbauabteilung ausgezeichnet wird.(Bild:  Maschinenmarkt/rw)
Das ist der begehrte Preis - der Award "Werkzeugbau des Jahres", mit dem das beste Werkzeugbauunternehmen oder die beste Werkzeugbauabteilung ausgezeichnet wird.
(Bild: Maschinenmarkt/rw)

Der Industriebereich der Werkzeug- und Formenbauer in Europa und damit auch im deutschsprachigen Raum ist derzeit in schwierigem Fahrwasser. Neben einer seit dem Dieselskandal 2015 anhaltenden wirtschaftliche Unsicherheit stellt der strukturelle Wandel der meisten etablierten Absatzmärkte den Werkzeugbau aktuell vor große Herausforderungen.

Tiefgreifende Umbrüche prägen die Branche

Die Branche ist derzeit geprägt von einschneidenden Umbrüchen auf verschiedensten Ebenen. Technologische Umwälzungen, Verwerfungen zwischen den globalen Märkten mit nicht immer fairen Wettbewerbsbedingungen und politische wie wirtschaftliche Unwägbarkeiten (man denke nur an Donald Trumps Zollpolitik) hinterlassen ihre Spuren. Den Unternehmen bläst ein rauer Wind entgegen.

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Für die Verantwortlichen in den deutschen Werkzeugbauunternehmen und -abteilungen ist es unerlässlich, dass sie handeln. Die Daten und Erkenntnisse für eine verlässliche Strategieplanung bekommen sie beispielsweise aus einer Teilnahme am Benchmark-Wettbewerb "Excellence in Production", der - quasi nebenbei - auch die Chance auf den Gewinn des Titels "Werkzeugbau des Jahres" bietet.

Vorbildlich für die Zukunft aufgestellt

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2004 zeichnet das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen (bis zum vergangenen Jahr im Veranstalter-Tandem mit dem Fraunhofer IPT) Unternehmen und interne Werkzeugbauabteilungen von Industriebetrieben im deutschsprachigen Raum aus, die sich vorbildlich für die Zukunft aufgestellt haben.

Dabei orientieren sich die Experten bei ihrer Bewertung an den Kriterien des speziell für den Werkzeugbau entwickelten Aachener Werkzeug- und Formenbau-Management-Modells AWFM. Im AWFM-Modell fokussieren die Experten sehr stark auf quantitativ messbare und objektiv zu erhebende Daten, die auf unterschiedlichen Ebenen eine faire Vergleichbarkeit erlauben. Zudem bewerten die Juroren den individuellen Kontext des bewerteten Werkzeugbaus, die Qualität der darauf ausgerichteten Strategie und die Stringenz in der Strategieumsetzung.

Der Gesamtsieg geht an BMW Eisenach

Der Gesamtsieg und damit der Titel "Werkzeugbau des Jahres 2025" ging in diesem Jahr an den internen Werkzeugbau der BMW Fahrzeugtechnik GmbH am Standort Eisenach-Krauthausen. Die Werkzeugbauer an dem thüringischen Automobilstandort konnten die Jury insbesondere mit ihrer hohen Produktivität, den exzellenten Maschinenlaufzeiten und einem konsequenten Einsatz leistungsfähiger Automatisierungstechnologien überzeugen.

Bewertungskategorien

Faires Evaluierungssystem

Die Kunst, Unvergleichliches zu vergleichen

Eine Hürde ist die Vergleichbarkeit der Unternehmen. Denn ein externer Werkzeugbau mit 20 Mitarbeitern arbeitet ganz anders als ein interner Werkzeugbau mit mehr als 200 Mitarbeitern und hat auch andere Ressourcen und Voraussetzungen. Deshalb beurteilen die Juroren bei der Auswertung der Fragebögen sowie bei der Ermittlung der Gewinner die Unternehmen in insgesamt vier verschiedenen Kategorien: Sie unterscheiden nach internem und externem Werkzeugbau und unterteilen beide Arten noch jeweils in Organisationen mit weniger als 50 Mitarbeiter und ab 50 Mitarbeiter.

Ein wichtiger Faktor für den Gesamtsieg ist aber auch die ganzheitliche strategische Aufstellung, eine sehr hohe Prozessreife und die große Innovationskraft der BMW-Werkzeugbauer. Der interne Werkzeugbau überzeugte die Juroren mit seiner klaren Fokussierung auf designrelevante und hochkomplexe Außenhautumfänge. Sehr gut beurteilten die Experten auch den Stand der Digitalisierung, der Automatisierung und der Simulationstechnik zur Werkzeugoptimierung

Vordenker im Bereich der Nachhaltigkeit

Als Schritt auf dem Weg zum Gesamtsieg erklärte die Jury des Wettbewerbs den BMW-Werkzeugbau darüber hinaus auch zum Sieger der Kategorie "Interner Werkzeugbau ab 50 Mitarbeiter". Als weitere Finalisten dieser Kategorie zeichnete die Jury die Craemer GmbH aus Herzebrock-Clarholz bei Gütersloh, die Hirschvogel Umformtechnik GmbH aus dem oberbayerischen Denklingen und die Welser Profile Austria GmbH aus Ybbsitz in Österreich aus.

Der Gewinner der Kategorie "Interner Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter" ist die Roto Frank Austria GmbH aus Kalsdorf bei Graz.

Der Werkzeugbau dort überzeugte die Jury in seiner Rolle als Vordenker im Bereich der Nachhaltigkeit im Werkzeugbau. Ein systematisches Konzept zur konsequenten Wiederverwendung von Werkzeugkomponenten schafft ökologische und ökonomische Vorteile - die Werkzeugbauer können ihre finanziellen Einsparpotenziale bei der Wiederverwendung auf Komponenten- oder Baugruppenbasis sehr genau beziffern. In Kombination mit einem digitalen Werkzeugbuch ermöglicht Roto Frank Austria eine hohe Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus eines Werkzeugs.

Entwicklung des Werkzeugs zur Produktionsreife

Sieger in der Kategorie "Externer Werkzeugbau ab 50 Mitarbeiter" ist die Rico Elastomere Projecting GmbH aus Thalheim bei Wels in Oberösterreich. Der Werkzeugbau konnte als hochspezialisierter Anbieter für die Fertigung von hochproduktiven und zuverlässigen Elastomer- und Spritzgießwerkzeugen überzeugen. Besonders gefiel das leistungsfähige Technikum mit einer sehr breit aufgestellten Maschinenausstattung. Das erlaubt eine detaillierte Erprobung und die Entwicklung des Werkzeugs zur Produktionsreife unter realen Produktionsbedingungen auch für den Einsatz in einer hochautomatisierten Serienproduktion. Als Full-Service-Partner bedient Rico die gesamte Prozesskette von der Entwicklung bis zur Serienfertigung.

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Der andere Finalist in der Kategorie "Externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter" war die Schneider Form GmbH aus Dettingen unter Teck.

Hoher Digitalisierungsgrad in den indirekten Prozessen

Der Sieg in der Kategorie "Externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter" geht an die Formotion GmbH aus Wilnsdorf bei Siegen.

Das Unternehmen ist ein hochspezialisierter Anbieter für die Bearbeitung von Aluminiumwerkzeugen und -formen für Anwendungen im Thermoformen sowie in der Verarbeitung von PUR- und PE-Schäumen. Besonders gefiel der Jury der einzigartig hohe Digitalisierungsgrad in den indirekten Prozessen in Relation zur Unternehmensgröße von gerade einmal sieben Mitarbeitern. Das Konzept umfasst alle Bereiche von einem intelligenten C-Teile-Management mit komplett automatisierter Nachbestellung über ein automatisiertes Kühlschmierstoffmanagement bis zur vollständig digitalen Auftragsplanung und -steuerung. Die gesamte Fertigung ist papierlos. Mit einer intelligenten Reststückverwertung zur Erhöhung der Materialeffizienz schafft Formotion darüber hinaus ein durchgängig vernetztes, effizientes und transparentes Fertigungsumfeld, das nicht nur die Produktivität des Unternehmens, sondern auch die Nachhaltigkeit fördert.

Weitere Finalisten in der Kategorie "Externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter" waren die BBG GmbH & Co. KG aus dem schwäbisch-bayrischen Mindelheim und die Klaucke & Meigies Formenbau GmbH aus Lüdenscheid im Sauerland.

Benchmark-Wettbewerb

Excellence in Production

Wer wird Werkzeugbau des Jahres 2026?

Auch im kommenden Jahr werden sich die besten deutschsprachigen Werkzeug- und Formenbaubetriebe miteinander messen. Interessierte können sich schon jetzt detailliert über den Wettbewerb informieren und sich vorab registrieren. Alle Teilnehmer des Wettbewerbs erhalten nach Ende des Wettbewerbsjahres eine individuelle Auswertung über ihre aktuelle Positionierung in der Branche inklusive der Bewertung ihrer Stärken und Verbesserungspotenziale. Ab dem 1. Dezember können die Unternehmen den ersten Teil des Fragebogens mit einer geringen Anzahl zentraler Fragen ausfüllen. Sie erhalten auf dieser Basis bereits im laufenden Wettbewerb eine erste Auswertung ausgewählter Kennzahlen. In der zweiten Wettbewerbsphase sind detailliertere Fragen zu beantworten und die Teilnehmenden erhalten eine umfangreichere Kennzahlenauswertung. Unter allen Teilnehmenden der zweiten Phase werden zudem zwei zusätzliche Vor-Ort-Besuche der Aachener Werkzeugbau-Expertinnen und Experten verlost.. Link hier

Der diesjährige Wettbewerb wird von der Hasco Hasenclever GmbH & Co. KG als Hauptsponsor, dem KC Kunststoffcluster Österreich und dem Schweizer Werkzeugbau-Verband Swissmem, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., dem Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V. sowie der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH unterstützt.

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