VDWF-Geschäftsführertreff PortugalFormenbauer zu Gast bei Freunden
Von
Richard Pergler
7 min Lesedauer
Rund 30 Geschäftsführer aus deutschen Werkzeug- und Formenbauunternehmen machten sich im Rahmen der Geschäftsführertour "Voll Wild" des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer auf den Weg zu portugiesischen Vorzeigebetrieben der Branche. Eine Reise mit vielen Erkenntnissen und Inspirationen.
Portugal hat mehr zu bieten als touristische Kleinode - hier der malerische Blick von Vila Nova de Gaia über den Fluss Douro hinüber auf die Altstadt von Porto, wo die Reise des VDWF zu portugiesischen Werkzeugbaubetrieben begann.
(Bild: Maschinenmarkt)
Der portugiesische Werkzeugbau ist weltweit in erster Linie als Partner für die Kunststoffverarbeitung mit komplexen und hochwertigen Werkzeugen etabliert. Spritzgießwerkzeuge machen mehr als 90 Prozent der portugiesischen Werkzeugproduktion aus. Im Jahr 2022 exportierten die portugiesischen Formenbauer laut der Studie „Tooling in Portugal“ der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie in Aachen Spritzgießwerkzeuge mit einem Wert von 498,5 Mio. Euro. Zu den wichtigsten Absatzmärkten für diese Werkzeuge gehört Deutschland.
Regionale Konzentration als Stärke
Eine Eigenart – und wohl auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor der portugiesischen Werkzeug- und Formenbaubranche ist die Konzentration der Betriebe in den Regionen Marinha Grande und Oliveira de Azeméis. Diese Regionen gelten als zentrale Standorte des portugiesischen Werkzeugbaus und konzentrieren rund 500 Unternehmen, die etwa 11 000 Mitarbeiter beschäftigen. In beiden Clustern sehen die Autoren der Studie Betriebe, die in der Organisationsstruktur und in der Qualität der Werkzeuge mit deutschen Werkzeugbaubetrieben mithalten können.
Die Clusterbildung in diesen Gebieten bietet nach Ansicht der WBA-Studienmacher mehrere Vorteile: Sie ermöglicht eine hohe Spezialisierung der Unternehmen, fördert den Austausch und die Zusammenarbeit innerhalb eines starken Netzwerks und verkürzt die Wege zwischen den Betrieben und ihren Zulieferern. Diese Synergien tragen dazu bei, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Unternehmen zu stärken. Und in Sachen Qualität können so manche portugiesischen Formenbauer mit ihren deutschen Marktbegleitern durchaus auf Augenhöhe mithalten.
In vielen Betrieben gibt es deutschsprachige Ansprechpartner
Die Unternehmensgrößen in der Branche sind sehr unterschiedlich: 46 Prozent der Betriebe haben weniger als 50 Mitarbeitende, während 23 Prozent mehr als 100 Beschäftigte haben. Ein großer Vorteil für das Angebot auf globalisierten Märkten: In sprachlicher Hinsicht sind die meisten Unternehmen international gut aufgestellt, da viele recht gut Englisch sprechen, und in drei von fünf Unternehmen gibt es auch Mitarbeiter in relevanten Positionen, die deutsch sprechen oder sogar aus Deutschland kommen. Viele der portugiesischen Werkzeugbauer haben inzwischen Partnerschaften mit deutschen Unternehmen, die die Qualität und den Spirit der Portugiesen schätzen.
Grund genug für den Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer VDWF, ihren Geschäftsführertreff „Voll Wild“ als Tour zu den Branchenunternehmen zu gestalten. Auf die Teilnehmer wartete ein dicht gedrängtes Programm aus Unternehmensbesuchen. Und um es vorwegzunehmen: Es war ein Besuch bei Unternehmen, der viele interessante Eindrücke und inspirierende Erkenntnisse bot. Die gastgebenden Betriebe zeigten sehr transparent, vor welchen Herausforderungen sie derzeit stehen und wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.
Hochwertige Werkzeuge für komplexe Spritzgießteile
Der erste besuchte Betrieb in Oliveira de Azeméis war das Formenbauunternehmen Olesa. Der seit dem Jahr 1992 in der Formenherstellung aktive Betrieb baut hochwertige Werkzeuge für komplexe Spritzgießteile – von technischen Teilen bis zum Kühlergrill. Die Verantwortlichen investieren kontinuierlich in neue, leistungsfähige Produktionstechnologie. Die Mitarbeiter verfügen über Erfahrung, Know-how und entwickeln Lösungen, die es dem Unternehmen ermöglichen, im Markt wettbewerbsfähig zu agieren und die Anforderungen der Auftraggeber zu erfüllen. Sie bauen Formen bis zu 24 t und können dabei einzelne Komponenten bis 2200 x 1200 x 800 mm Größe bearbeiten.
Werkzeugbau-Studien
Aktuelle Daten
Branchenwissen auf Abruf
Die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH erarbeitet in einem Netzwerk aus führenden Unternehmen des Werkzeugbaus branchenspezifische Lösungen für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der Branche Werkzeugbau. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen die Schwerpunkte Industrieberatung, Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung. Durch einen eigenen Demonstrationswerkzeugbau hat die WBA die Möglichkeit, innovative Lösungsansätze in einer Laborumgebung zu pilotieren und schnell für ihre Partnerunternehmen zugänglich zu machen. Zusätzlich werden Schwerpunktthemen in aktuellen Studien vertieft. Diese geben Auskunft über Trends und Entwicklungen von Markt und Wettbewerb. Link zu den Studien
Simoldes Tools, gegründet im Jahr 1959, ist eine weltweit agierende Unternehmensgruppe mit Sitz in Oliveira de Azeméis. Das Unternehmen verfügt zudem über Niederlassungen und Werke in Brasilien, Argentinien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Mexiko und in den USA. Simoldes beschäftigt mehr als 7000 Mitarbeiter, darunter rund 1100 Werkzeug- und Formenbauer. Die Gruppe ist bekannt für Qualitätswerkzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 120 t und Komplettlösungen im Bereich Spritzgießen und verfügt nicht nur über ein exzellent ausgestattetes Technikum, sondern auch über Spritzgießwerke zur Herstellung kompletter Kunststoffkomponenten in hochwertiger Qualität. Die Auftraggeber kommen dabei aus unterschiedlichsten Branchen – das Spektrum reicht dabei von Automotive über Verpackung bis zur Weißen Ware.
Tochterunternehmen mit deutscher Mutter
Schneider Form Portugal – SF Moldes, S.A in Oliveira de Azeméis ist eine hundertprozentige Tochter von Schneider Form im baden-württembergischen Dettingen. Mit 120 Mitarbeitern und einem Umsatz von 15 Mio. Euro (2019) gehört das Unternehmen mittlerweile zu den leistungsfähigsten Formenbauern in Portugal. Der neue Standort mit 6000 m2 Produktionsfläche bietet ausreichend Platz für Erweiterungen. Alle Prozessabläufe und technischen Standards in Konstruktion und Fertigung synchronisieren die Werkzeugbauer am portugiesischen Standort mit dem Hauptsitz in Dettingen – auch die Weiterentwicklung läuft gemeinsam. In Portugal baut Schneider Form vornehmlich Spritzgießwerkzeuge für eine Schließkraft von 1000 bis 3000 t. Besondere Schwerpunkte bilden die Formen für die Stoffhinterspritzung, Fensterrahmen sowie Etagenwerkzeuge mit einem Gewicht bis zu 50 t.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Auch der koreanische Heißkanalhersteller Yudo verfügt in dieser Region über ein Werk. Das europäische Servicezentrum ist ebenso am portugiesischen Standort, wo Yudo seit 2009 zudem auch anwenderspezifische Heißkanalsysteme produziert. Yudo hat sich insbesondere auf Heißkanalsysteme spezialisiert, die umweltfreundliche Produkte mit reduzierten Kunststoffabfällen fertigen sollen. Die Heißkanalsysteme des Herstellers werden in unterschiedlichsten Industriezweigen eingesetzt. Die Auftraggeber kommen aus einem weiten Spektrum unterschiedlichster Branchen – von Automotive über Weiße und Braune Ware bis hin zu Packaging.
Großprojekte von der Produktentwicklung bis zur Serie
Socem ED hat seinen Hauptsitz in Martingança im Cluster Marinha Grande. Das global aktive Unternehmen hat darüber hinaus Niederlassungen und Produktionsstätten in Brasilien und Mexiko. Die Werkzeugbauexperten steuern und entwickeln Großprojekte von der Produktentwicklung über Rapid Prototyping, Silikonformen, Hybrid- und Aluminium-Prototypformen bis zu Serienformen bis 30 t. Abgerundet wird das mit einem Test- und Produktionszentrum, das über Spritzgießmaschinen mit Schließkräften von 90 bis 2300 t verfügt.
Das nächste Unternehmen auf der Besuchsliste war Tecnimoplás. Der Formenspezialist wurde 1971 gegründet und gehörte zu den Pionierunternehmen, die Marinha Grande zu einem der weltweit größten Zentren für den Formenbau machten. Die Mitarbeiter entwickeln und fertigen Präzisionsformen, hauptsächlich für die Kunststoffindustrie. Dabei baut das Unternehmen auch hochkomplexe Spritzgießwerkzeuge für unterschiedlichste Verfahren wie Inmold-Labeling, Gas- und Wassereinspritzung oder Mucell, aber auch Laminierwerkzeuge und andere.
Ausgefeiltes Spektrum an Ingenieurdienstleistungen und Mehrwertprodukten
Die Iberomoldes-Gruppe – gegründet 1975 – bietet ein ausgefeiltes Spektrum an Ingenieurdienstleistungen und Mehrwertprodukten. Dabei kann die Gruppe die komplette Wertschöpfungskette abdecken: Iberimoldes ist in der Lage, komplette und integrierte Lösungen anzubieten inklusive Konstruktion, Produktentwicklung, Prototyping-Formen, Serienwerkzeuge, industrielle Produktion und weltweiten Lieferung von Fertigprodukten, Funktionen und kompletten Systemen unter Verwendung von thermoplastischen und metallischen Leichtmetallmaterialien. Die Iberomoldes-Gruppe besteht aus neun Unternehmen und beschäftigt etwa 800 Mitarbeiter. Mehr als 90 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt die Gruppe über den Export.
Das letzte Unternehmen auf der Tour, Planfuro Global (PFG) in Leiria bei Marinha Grande, ist auf Dienstleistungen für die Formenindustrie spezialisiert und zählt die besten Formenbauer in Portugal und Deutschland zu seinen Hauptauftraggebern. PFG bietet Bearbeitungen in den Bereichen Fräsen, Bohren und Schleifen. Derzeit verfügt das Unternehmen über eine Produktionsfläche von 8200 m² und 51 Maschinen. Der Fokus in der Bearbeitung liegt auf mittleren und großen Teilen bis zu 32 t.
Branchenvertretung
Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer VDWF
Eine Stimme für die Möglichmacher der Industrie
Das Hauptanliegen des VDWF ist die Stärkung des deutschen Werkzeug- und Formenbaus. Hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen werden seit der Gründung des Verbands 1992 tatkräftig unterstützt und für gemeinsame künftige Aufgaben gestärkt. Dafür bündelt und vertritt der VDWF die Interessen seiner Mitgliedsunternehmen. Sie erhalten kompetente Beratung und praktische Unterstützung. Neben den operativen Aufgaben wird die Arbeit des Verbands von strategischen Zielen bestimmt, die gemeinsam von den Mitgliedern getragen werden. So arbeitet der VDWF kontinuierlich an einer positiven öffentlichen Sichtbarkeit der Branche. Außerdem schafft er Veranstaltungsformate, die Mitgliedern nicht nur dabei helfen, organisatorisch und technologisch die "Nase vorn" zu haben, sondern auch den Austausch innerhalb des Verbandsnetzwerks fördern. Link zum VDWF
Bei allen besuchten Betrieben war zu spüren, dass portugiesische Werkzeugbaubetriebe die enge Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen sehr schätzen – insbesondere die technische Expertise und den Willen, in strategischen Langzeitpartnerschaften zusammenzuarbeiten. Es kann sich für deutsche Werkzeugbauer durchaus lohnen, mit portugiesischen Werkzeugbaubetrieben zu kooperieren.
Die Zukunft der Branche ist europäisch
Das wird auch die Zukunft sein – die Branche wird sich europäisch aufstellen und weiter zusammenwachsen müssen. So lassen sich Skaleneffekte besser nutzen, die Brache kann aber auch etwa gegenüber der EU-Politik an Sichtbarkeit und damit auch an Gewicht gewinnen. Damit sich die Rahmenbedingungen verbessern, um als europäische Werkzeug- und Formenbaubranche in einem gemeinsamen Schulterschluss im Wettbewerb mit China und Akteuren aus anderen Ländern, bei denen insbesondere staatliche Subventionen den Wettbewerb zuungunsten der Europäer verzerren, noch bestehen zu können.