Technologietag Hein 2026 Etablierter Treffpunkt der Kunststoffbranche

Von Richard Pergler 5 min Lesedauer

Der Technologietag Hein, den das Konstruktionsbüro Hein jährlich ausrichtet, hat sich als Branchentreff der Kunststoffverarbeiter sowie der Werkzeug- und Formenbaubranche im Norden Deutschlands fest etabliert. Die Veranstaltung konnte in ihrer 29. Auflage rund 700 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus anziehen.

Live konnten die Besucher auf dem Technologietag Hein an vielen Ständen Systeme und Prodikte selbst vor Ort testen. Die Veranstaltung hat den Charakter einer Arbeitstagung mit hohem Praxisbezug.(Bild:  Maschinenmarkt/rw)
Live konnten die Besucher auf dem Technologietag Hein an vielen Ständen Systeme und Prodikte selbst vor Ort testen. Die Veranstaltung hat den Charakter einer Arbeitstagung mit hohem Praxisbezug.
(Bild: Maschinenmarkt/rw)

Das Konstruktionsbüro Hein, das die Veranstaltung seit fast drei Jahrzehnten ausrichtet, setzte diesmal den Fokus der Veranstaltung in der Brandboxx in Langenhagen bei Hannover auf aktuelle technologische Trends in der Kunststoffindustrie, in der Produktentwicklung und im Werkzeugbau sowie auf die Anforderungen, die die Transformation der Industrie an die Wirtschaft stellt.

Praxisorientiertes Technologieforum

Auf dem Technologietag Hein präsentieren Experten aus Industrie und Forschung in fundierten Fachbeiträgen wertvolle Einblicke in aktuelle Projekte und ebenso in neue Entwicklungen. Das macht die Veranstaltung zu einem sehr praxisorientierten Technologieforum in der Kunststoffindustrie.

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Auch in diesem Jahr konnten die Teilnehmer wieder zahlreiche wertvolle Impulse für eigene Lösungen gewinnen. Führende Fachleute der Branche demonstrieren in zahlreichen Vorträgen und mit interessanten Exponaten, wie die Kunststoffverarbeitung der Zukunft aussehen wird. So haben die Teilnehmer aus erster Hand die Möglichkeit, wertvolle Einblicke in die neuesten Markttrends und Technologieentwicklungen zu bekommen. Denn es ist gerade angesichts der aktuellen Lage der Weltwirtschaft unerlässlich, dass Unternehmen ihre Strategien und die Produktionsprozesse auf dem aktuellen Stand halten.

In seiner Keynote auf der großen Bühne gab Michael Tesch vom Kunststoffinstitut Lüdenscheid unter dem Titel „Plastik-Bingo oder das gezielte Sortieren von Stoffströmen – Von der Entsorgungsperspektive hin zur Ressourcennutzung“ einen Überblick über Entwicklungen im Wandel zur zirkulären Wirtschaft. Im "Werkstoffforum der Zukunft" sind das Kunststoff-Institut Lüdenscheid, die Zenit GmbH, die Wuppertal-Institut GmbH, die Technopark und Wirtschaftsförderung Schwerte GmbH sowie die Remondis Recycling GmbH & Co. KG vereint - das Forum will Impulsgeber sein und unterstützt Unternehmen auf dem Weg zu nachhaltiger Werkstoffnutzung.

Kosteneffizient und designfrei zum Formeinsatz

Irena Heuzeroth vom SKZ Peine zeigte, wie additiver Werkzeugbau mit 3D-gedruckten Werkzeugeinsätzen für den Spritzguss kürzere Entwicklungszeiten, flexible Lieferketten und nachhaltige Prozesse unterstützen kann. Additive Verfahren wie SLA und DLP revolutionieren den Werkzeugbau, indem sie Werkzeugeinsätze für den Spritzguss schnell, kosteneffizient und designfrei herstellen. Am SKZ kombinieren die Experten Forschung und Praxis: Die Bandbreite reicht hier von Prototypen aus Originalmaterial bis hin zu Kleinserien und komplexen Geometrien.

Wer kennt es nicht? Ein Projekt wird geplant oder läuft schon - und plötzlich tauchen Fragen oder Unsicherheiten auf. Alexander Hein vom gastgebenden Konstruktionsbüro Hein präsentierte den "Checkup-Service online": Wenn es darum geht, die wirklich beste Lösung zu finden, alle Alternativen zu berücksichtigen oder Risiken für Qualität oder Prozesssicherheit einzuschätzen, kann eine zweite Expertenmeinung helfen. Dafür haben die Fachleute ein neues Beratungskontingent konzipiert, das unter anderem zu mehr Effizienz in der Produktion, deutlich kürzeren Zykluszeiten und Gutteilen bereits bei der ersten Musterung führen soll.

Lukas Niebler von Sumitomo Demag analysierte den Traum von einer autonomen Spritzgießmaschine. Der lässt sich derzeit noch nicht wirtschaftlich realisieren, denn die Vision einer autonomen Spritzgießmaschine stößt trotz moderner Sensorik, Datenerfassung und intelligenter Regelungen nach wie vor an Grenzen. Komplexe, nichtlineare Wechselwirkungen zwischen Material, Werkzeug und Maschine führen schon bei kleinsten Abweichungen zu Prozessänderungen. Dennoch bieten spezialisierte Modelle, kontextualisierte Daten und adaptive Algorithmen einen durchaus vielversprechenden Ansatz.

In seinem Fachvortrag unter dem provokanten Titel "Fräsen Sie noch oder 3D drucken Sie schon?" schilderte Joachim Kasemann von Mark3D anhand von konkreten Praxisbeispielen, wie mit industriellem 3D-Druck heute bereits Bauteile schneller, wirtschaftlicher und funktionsoptimierter gefertigt werden können als mit mechanischer Fertigung. Dabei wird nicht nur die technische Leistungsfähigkeit betrachtet, sondern auch der Einfluss auf Lieferketten, Kostenstrukturen und. Die zentrale Frage ist: Wann lohnt sich Fräsen – und wann verschafft industrieller 3D-Druck den entscheidenden Wettbewerbsvorteil?

Schnelle Korrekturen von Verzug und Schwund

Holger Wüst und Johannes Bethmann von der Hexagon Manufacturing Intelligence Germany GmbH zeigten, wie schnelles konstruktives Einbringen von Bombierungen und Vorhaltungen Rüst- und Durchlaufzeiten reduzieren und die Qualität absichern kann. Der Anwender definiert Start- und Endposition der Verformung sowie einige weitere Faktoren. Mit diesen Definitionen steuert er das Ergebnis der Verformung.

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Jens Hartwig vom Heißkanalpionier Ewikon skizzierte unter dem Titel "Heißkanaltechnik neu definiert", wie sich Projekte partnerschaftlich, lösungsorientiert, effizient und zu hundert Prozent "Made in Germany" optimal umsetzen lassen. Der Ansatz kombiniert technologische Innovationskraft mit hoher Prozesssicherheit und nachhaltiger Produktion - er soll dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit in der Kunststoffverarbeitung deutlich zu steigern.

Neue Antworten für den Spritzguss

Eine Welt im Wandel – wie der oberösterreichische Spritzgießmaschinenhersteller Engel mit Markenvielfalt, Maschinentechnologie und KI-Lösungen neue Antworten für den Spritzguss liefert, beleuchtete Lars Klattig in seinem Beitrag. Mit klar positionierten Marken bietet Engel passgenaue Lösungen von robusten Einstiegskonzepten bis zu hochintegrierten, technologisch führenden Systemen. Neue Maschinenkonzepte und Automatisierungslösungen Innovative Maschinenarchitekturen und integrierte Automatisierungskonzepte schaffen die Basis für flexible, effiziente und zunehmend autonome Produktionssysteme. Und KI-Lösungen für stabile und transparente Prozesse KI-gestützte Prozessüberwachung und intelligente Datenanalyse ermöglichen reproduzierbare Qualität, höhere Effizienz und fundierte Entscheidungen in einem zunehmend komplexen Umfeld.

Technologietag Hein

Plattform für die Kunststoffbbranche

Innovationsforum für die Kunststoffverarbeitung

Der Technologietag Hein ist eine jährlich stattfindende Fachkonferenz, die sich als eines der bedeutendsten Innovationsforen für die Kunststoff verarbeitende Industrie, den Werkzeug- und Formenbau sowie die Produktentwicklung in Norddeutschland etabliert hat. Organisiert vom Konstruktionsbüro Hein (KB-Hein), dient die Veranstaltung als Plattform für den Austausch zwischen Praktikern, Entwicklern und Entscheidern, wobei der Fokus auf dem Wissenstransfer und dem Netzwerken "auf Augenhöhe" liegt. Link hier

In seinem Fachvortrag schilderte Daniel De Beer von Voss Automotive seine Erfahrungen mit dem Werkzeugumbau auf eine Isoform-Vorstufe. Das vom Konstruktionsbüro Hein erschaffene Isoform-Konzept ermöglicht eine gezielte thermische Entkopplung des konturgebenden Bereichs im Formwerkzeug. Dank der Trennung von Formeinsatz und Werkzeugaufbau wird nur der benötigte Bereich temperiert, was Energieeffizienz und Prozessstabilität erhöht. Dank der guten Erfahrungen mit dem umgebauten Werkzeug wollen die Verantwortlichen bei Voss Automotive auch bei Neuwerkzeugen auf das Isoform-Konzept setzen.

Neben den Vorträgen auf der Hauptbühne gab es drei weitere Foren, die von den Unternehmen Neuwagen und Connectura sowie vom Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) moderiert wurden. Auf dem VDWF-Forum zeigte beispielsweise Mario Schubert von Process Gardening, wie ein systematischer softwaregestützter Ansatz Unternehmensprozesse mittels "lebendiger" Dokumentation optimieren, Transparenz schaffen und Mitarbeiter aktiv in die kontinuierliche Verbesserung (KVP) einbinden kann. Die Lösung von Process Gardening reduziert versteckte Kosten dank klarer Strukturen, fördert die Zusammenarbeit und sichert Qualität im Mittelstand.

Impulse für die eigene Arbeit

Die Impulse und Ideen, die die Besucher aus den Beiträgen mitnahmen, konnten sie dann an den Ständen der mehr als 115 Aussteller auf der begleitenden Fachausstellung weiter vertiefen. Dazu kamen zahlreiche Live-Präsentationen und zahlreiche Möglichkeiten zum Netzwerken zwischen den Experten. Der 29. Technologietag Hein brachte erneut Experten, Forscher und Aussteller zusammen, um Innovationen und Trends zu diskutieren.

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