VDMA Präzisionswerkzeuge Trotz schwacher Wirtschaftslage optimistisch

Von Richard Pergler 5 min Lesedauer

Zu seiner traditionellen Jahrespressekonferenz hat der VDMA Präzisionswerkzeuge in die Frankfurter Botschaft eingeladen. Trotz schwieriger Situation auf den Märkten blicken die Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft.

Pressekonferenz des VDMA Präzisionswerkzeuge in der Frankfurter Botschaft. Obwohl die Branche 2025 statt des erwarteten leichten Produktionsrückgangs ein deutliches Minus von rund 7 Prozent verzeichnen musste, bleiben die Unternehmen optimistisch.  (Bild:  Maschinenmarkt/rw)
Pressekonferenz des VDMA Präzisionswerkzeuge in der Frankfurter Botschaft. Obwohl die Branche 2025 statt des erwarteten leichten Produktionsrückgangs ein deutliches Minus von rund 7 Prozent verzeichnen musste, bleiben die Unternehmen optimistisch.
(Bild: Maschinenmarkt/rw)

Nicht erst seit der erratischen Zollpolitik Amerikas sind die weltweiten Märkte in turbulentem Fahrwasser. Die Herausforderungen, vor denen die verarbeitende Industrie derzeit steht, machen sich auch bei den Präzisionswerkzeugherstellern bemerkbar - wird weniger produziert, brauchen die Produktionen weniger Werkzeuge.

Drei schwierige Jahre

"Wir haben inzwischen drei schwierige Jahre hinter uns", betont Stefan Zecha, Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge. "Aber wir glauben, dass nun die Talsohle erreicht. ist. Denn trotz nach wie vor rückläufiger Produktion und gedämpfter Nachfrage erkennen wir inzwischen erste Signale der Stabilisierung."

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Aber nach wie vor hat die Wirtschaft in Deutschland und im übrigen Europa mit Standortnachteilen zu kämpfen. "Entscheidend ist für uns jetzt, dass die Politik endlich für verbesserte Standortbedingungen sorgt, indem sie Verfahren verschlankt, Bürokratie abbaut und eine resilienzfördernde Digitalisierung umsetzt."

Personalabbau und Investitionszurückhaltung

Im Jahr 2025 musste die Präzisionswerkzeugindustrie ein Produktionsminus von rund 7 Prozent hinnehmen - das Volumen sank damit auf etwa 8,5 Milliarden Euro. Das bedeutete für viele Unternehmen, dass sie gezwungen waren, Personal abzubauen und Investitionen zurückzufahren.

Die Lage auf den Weltmärkten ist alles andere als homogen. In Europa etwa gingen die Exporte der Branchenunternehmen um 4 Prozent zurück. China verzeichnete sogar einen noch deutlicheren Rückgang um 9 Prozent, während die USA trotz Handelsrisiken und Zollchaos mit einem Plus von 2 Prozent erneut wichtigster Auslandsmarkt blieben. Für das laufende Jahr erwartet die Branche insgesamt eine Konsolidierung auf heutigem Niveau. Vorausgesetzt, dass es diesmal keine größeren geopolitischen Verwerfungen gibt.

Zunehmend kritische Rohstoffmärkte

So sahen sich die Hersteller von Zerspanwerkzeugen im Jahr 2025 überwiegend mit kleineren Umsatzrückgängen konfrontiert. "Sowohl das Inlandsgeschäft als auch der Export lagen 5 Prozent unter Vorjahr", berichtet Zecha. "Die Unternehmen kämpften mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und zunehmend kritischen Rohstoffmärkten."

Dabei bleiben die zentralen und schwerwiegenden Herausforderungen an die Hersteller von Präzisionswerkzeugen unverändert hoch. So belastet etwa die Bürokratie die Unternehmen nach wie vor gewaltig, vor allem, weil es viel zu viele unterschiedliche Berichtspflichten gibt - zusätzlicher Aufwand, der unproduktiv ist.

Planbarkeit und Entlastung notwendig

Dazu kommen aktuell die zunehmende weltpolitische Unsicherheit und darüber hinaus verunsicherte heimische Abnehmerbranchen, in denen die Verantwortlichen Investitionen verzögern oder ganz auf Eis legen. Die Unternehmen sind zwar technologisch sehr gut aufgestellt. Was aber dringend gebraucht wird, sind politische Entscheidungen, die Planbarkeit und Entlastung schaffen.

"Der Inlandsmarkt blieb im vergangenen Jahr weiterhin schwach", erklärte auch Gerhard Knienieder, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands. "Hier verzeichneten die Hersteller der Zerspanwerkzeugbranche ein Minus von rund 5 Prozent." Gründe waren hier vor allem die rückläufige Produktion im Maschinenbau und die nach wie vor große Unsicherheit in der Automobilindustrie. Ein Lichtblick waren die Bedarfszahlen in den Bereichen Luftfahrt, Medizintechnik und Verteidigungsindustrie. Das allein konnte indes die Verluste in den anderen Feldern nicht ausgleichen. Und auch die Auslandsmärkte haben sich in jüngster Vergangenheit ins Minus gedreht - wenn auch unterschiedlich stark.

Rücknahmesysteme gegen Hartmetall-Knappheit

Auf den Rohstoffmärkten machte sich die Verschärfung der Beschränkungen für Wolfram in China bemerkbar. Dies führte zu einer Wolfram-Knappheit, prekären Lieferketten und enormen Kostensteigerungen für die Branchenunternehmen. Auf der anderen Seite hingegen gewinnen Recyclinglösungen an Bedeutung: Rücknahmesysteme und Aufbereitung von Hartmetall in Europa sowie die effiziente Wiederaufbereitung von Werkzeugen haben sich seit Jahren etabliert. Allerdings war in jüngster Vergangenheit zu beobachten, dass Hartmetallschrott verstärkt von außereuropäischen Playern aufgegauft wurde. "Um hier den Zugriff auf die wertvollen Rohstoffe zu sichern, müssen wir alles daransetzen, den Hartmetallschrott in Europa zu behalten", betont Knienieder. "Jedes Gramm zählt! Hartmetall in Europa sichert unsere Souveränität.“

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Markus Horn, Vorsitzender der Fachabteilung Wendeschneidplatten, skizzierte die Lage der Branche in den europäischen Märkten. "Viele Industrienationen sind dabei, zu deindustrialisieren", erklärt er. "Das liegt insbesondere am Strukturbruch in der Automotive-Industrie. Aber auch hohe Energiepreise, der demographische Wandel, die Unsicherheit bei den Lieferketten sowie Wachstums- und Produktivitätsprobleme tragen das ihre dazu bei." Andererseits kamen aus Bereichen wie Luftfahrt, Verteidigung oder Medizintechnik durchaus auch positive Impulse.

Europäische Märkte uneinheitlich

In Italien schwächelte zwar der Export, dafür stützte der heimische Markt. Staatliche Modernisierungsaufträge setzten ebenso belebende Impulse. In der Schweiz und in Österreich blieb die Situation angespannt - vergleichbar der Lage der Branche in Deutschland. In Spanien blieb der Bereich der Metallzerspanung auf hohem Niveau stabil - hier sorgen Projekte im Luftfahrtsektor sowie bei Energie- und Infrastrukturprojekten für Rückenwind. In Frankreich schwächelte zwar der Maschinenbau, positive Impulse kamen indes von staatlich geförderten Großprojekten in Batterie- und Halbleiterproduktion. Großbritannien zeigt leichte Erholungstendenzen - hier gibt es zwar Modernisierungstendenzen, durchaus aber auch Zurückhaltung in den Unternehmen. Für 2026 rechnen die Unternehmen der Zerspanwerkzeugbranche insgesamt mit einer allmählichen Verbesserung im Jahresverlauf und hoffen auf ein leichtes Umsatzwachstum.

Termine

Präzisionswerkzeuge

Wichtige Veranstaltungen für die Branche

Im Veranstaltungskalender der Präzisionswerkzeugbranche stehen in diesem Jahr zentrale Termine, darunter die European Cutting Tools Conference (ECTC), die vom 7. bis 9. Mai 2026 in Graz stattfindet und führende Experten, Entscheidungsträger und Unternehmen aus ganz Europa zusammenbringt. Und die Messe AMB vom 15. bis 19. September 2026 in Stuttgart, die als wichtigste deutsche Leitmesse für Präzisionswerkzeuge und Werkzeugmaschinen in diesem Jahr zentrale Impulse für Trends und Investitionen in der Fertigungstechnik setzt.

In der Spanntechnik blieb das Jahr 2025 ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurück."Die Umsätze gingen im hohen einstelligen Prozentbereich zurück, insbesondere in der Werkstückspannung, die stark an Investitionen in neue Maschinen gekoppelt ist", erläutert Philipp Ehrhardt, Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge. Neue Projekte im Bereich Werkzeugmaschinen waren aber eher dünn gesät, deshalb blieb der Auftragseingang 2025 deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Auch Auslandsgeschäft rückläufig

Auch das Auslandsgeschäft entwickelte sich negativ. Einziger nennenswerter Lichtblick war Indien mit einem Plus von 10 Prozent, das erstmals unter die zehn größten Absatzmärkte aufstieg. Für das Jahr 2026 erwartet die Branche zwar eine leichte Belebung, aber insgesamt nochmals einen leicht rückläufigen Umsatz.

VDMA Fachverband

Präzisionswerkzeuge

Sprachrohr der Präzisionswerkzeugindustrie

Der Fachverband Präzisionswerkzeuge ist die Informations- und Netzwerkplattform der Hersteller von Zerspanwerkzeugen und Spanntechnik sowie des Werkzeugbaus. Der Fachverband vertritt die technischen und wirtschaftlichen Interessen von rund 170 Mitgliedsunternehmen. Mit etwa 57 000 Beschäftigten ist die Präzisionswerkzeugindustrie einer der größten Fachzweige des Maschinenbaus. Ihr Exportanteil an der Produktion liegt bei mehr als 45 Prozent.Link hier

Über den Bereich Werkzeugbau gab Alfred Graf Zedtwitz, Referent Werkzeug- und Formenbau, Kommunikation, Betriebs- und Volkswirtschaft Präzisionswerkzeuge beim VDMA, einen umfassenden Überblick. Der Werkzeugbau sah sich im vergangenen Jahr erneut mit deutlichen Produktionsrückgängen konfrontiert. Viele Unternehmen mussten Insolvenz anmelden, nicht wenige als Folgeinsolvenz, wenn die Auftraggeber in Konkurs gingen. Besonders das Inlandsgeschäft blieb schwach. Darüber hinaus setzten insbesondere chinesische Anbieter mit massiv verschärftem Wettbewerbsdruck den deutschen Anbietern spürbar zu. Gleichzeitig verschlechterten sich die Rahmenbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein kleiner Lichtblick: Zumindest blieb das Exportgeschäft stabil.

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