Treffpunkt WerkzeugbauSchnell und valide entscheiden
Von
Richard Pergler
4 min Lesedauer
Der Treffpunkt Werkzeugbau beim oberösterreichischen Spritzgießmaschinenhersteller Engel bot aktuelles Know-how für die Branche - unter anderem eine Anleitung für die schnelle und gute Entscheidungsfindung.
Schiedsrichterlegende Lutz Wagner beherrscht das Spiel mit den bedeutungsvollen Karten. Spannend erklärte der Entscheidungsprofi aus dem Fußballsport den Führungskräften aus der Industrie, was lange Hosen von kurzen Hosen lernen können.
(Bild: Maschinenmarkt/rw)
Mehr als 100 Teilnehmer konnten Gerhard Dimmler, CTO bei Engel, und Ralf Dürrwächter, Geschäftsführer beim VDWF - Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V., anlässlich des Treffpunkt Werkzeugbau im oberösterreichischen Schwertberg begrüßen. Im Stammwerk des Spritzgießmaschinenherstellers Engel wartete auf die Teilnehmer ein exklusiv zusammengestelltes Programm mit praxisrelevantem Wissen und mit interessanten Informationen zur Branche. Die Intention des Events war, die Unternehmen der Branche mit diesem Know-how wirksam dabei zu unterstützen, ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern.
Nutzenstifter sind gefordert
So kam ein beeindruckender Impulsbeitrag von Michael Klink, Geschäftsführer bei der µ-Tec GmbH. Er sieht in den Werkzeugbauern der Zukunft deutlich mehr als nur die Hersteller eines Produkts - genauer: eines Produktionsmittels - aus Stahl und Eisen. Erfolgreiche Unternehmen werden sich als umfassende Nutzenstifter in der Industrie etablieren - sie können weit mehr zur Wertschöpfung in der Industrie beitragen als das heute noch der Fall ist.
Das Stichwort Nutzenstifter ist für Klink und sein Team von großer Bedeutung. Es verkörpert einerseits die Mission der µ-Tec GmbH als Unternehmen. Andererseits ist es aber auch die treibende Kraft hinter der Motivation jedes einzelnen Mitarbeiters. Die Werkzeugbauer möchten als Nutzenstifter ihren Auftraggebern von Nutzen sein. Sie möchten also nicht nur irgend ein möglicherweise austauschbares Produkt verkaufen. Sie wollen, dass ihre Leistung auch den Auftraggeber voran bringt. Aus diesem Grund entwickeln sie ihre Prozesse immer weiter, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Gleichzeitig ist das Team auch motiviert, immer wieder nach neuen Lösungen zu bestehenden Herausforderungen zu suchen. Dafür nehmen sich Klink und seine Leute Zeit im Arbeitsalltag. Aus diesen Gedanken heraus entstehen nach und nach ganz eigene Ideen und Möglichkeiten, die letztlich dazu beitragen sollen, dass für den Auftraggeber ein Mehrwert entsteht.
Kritisch begleiteter Einsatz von KI
Der erfahrene Berater Markus Rausch von Tebis Consulting zeigte unter anderem, was der gezielte, sinnvolle und kritisch begleitete Einsatz von Künstlicher Intellgenz (KI) bereits heute im Werkzeugbau erreichen kann. Er sieht die Zukunft in einer breiten Akzeptanz solcher Werkzeuge. Vorausgesetzt, dass man sie richtig und mit kritischem Blick einsetzt. Denn dann kann die künstliche Intelligenz durchaus wertvolle Beiträge im Entscheidungsprozess leisten. Und so wirksam unterstützen, wenn es gilt, valide Ergebnissen zu erzielen.
Es braucht viel Erfahrung und Zeit, um ein Werkzeug auf einen Stand zu bringen, bei dem es Teile in der geforderten Qualität produzieren kann. Das gelingt immer noch erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass Konstrukteure und Werkzeugmacher in vielen Unternehmen noch nicht digital kommunizieren. Das Wissen über alle relevanten Daten ist in den Köpfen weniger Mitarbeiter "abgespeichert". Damit liegen die Informationen und Daten nur bei einigen wenigen Wissensträgern. Das erschwert valide Entscheidungen und beschränkt sie auf einen sehr kleinen Kreis an Wissensträgern.
Hier kann eine künstliche Intelligenz, basierend auf historischen Werkzeugdaten, beispielsweise Vorschläge zur Anpassung der Wirkflächen zu geben und so den Konstrukteur wirkungsvoll unterstützen. Der Einsatz von KI kann bis zu einem Gesamtkonzept für ein Werkzeug reichen, das der Konstrukteur nur noch überarbeiten muss. Damit das funktioniert, muss die KI allerdings erst einmal mit den Daten - und Erfahrungen - aus vergangenen Werkzeugprojekten trainiert werden. Dann aber kann sie die Konstrukteure wirksam entlasten.
Zwei Highlights des Tages waren die Rundgänge in den Engel-Produktionswerken in Schwertberg und in St. Valentin. Es ist schon beeindruckend, zu sehen, wie hier Spritzgießmaschinen unterschiedlicher Größe entstehen. Oder auch, wie in der Großzerspanung entsprechend dimensionierte Werkstücke teilweise automatisch auf die Maschine eingewechselt und bearbeitet werden.
Veranstaltungsreihe
Treffpunkt Werkzeugbau
Mehrwert für die Branche
Die vom Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) initiierte Terminserie "Treffpunkt Werkzeugbau" bietet kurze Vorträge zu interessanten Themen, eine Betriebsführung beim Gastgeber und anschließendes Netzwerken mit kulinarischer Begleitung.Die Veranstaltungen sind offen auch für Nichtmitglieder. Herzlich eingeladen sind alle Interessierten des Werkzeug- und Formenbaus, ebenso dessen Auftraggeber und Zulieferer. In der Regel kommen die Teilnehmer aus einem Umkreis von rund einer Autostunde zum Veranstaltungsort. Link hier
Der wirkliche Höhepunkt des Events aber waren die zwei „Halbzeiten“ mit Schiedsrichterlegende Lutz Wagner - spannend erklärte der Entscheidungsprofi aus dem Fußballsport den Führungskräften aus der Industrie, was lange Hosen von kurzen Hosen lernen können. Etwa, wie man schnell zu guten Entscheidungen kommt. Er zeigte auch, dass falsche Entscheidungen immer noch besser sind als gar keine Entscheidung.
Besser eine falsche Entscheidung als gar keine
Denn eine falsche Entscheidung lässt sich meist korrigieren. Wird aber keine Entscheidung getroffen, kann das auf politischer Ebene zur Lähmung einer ganzen Industrie oder im Unternehmen zur Lähmung eines ganzen Betriebs führen. Deshalb: Bitte mehr Mut zu Entscheidungen!
Stand: 08.12.2025
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