Werkzeugmaschinenbranche Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie fordert Reformen mit Tempo

Quelle: Pressemitteilung 6 min Lesedauer

Nach zwei Jahren Flaute erwartet die Werkzeugmaschinenindustrie 2026 wieder leichtes Wachstum. VDW-Vorsitzender Bernhard betont, dass ein Aufschwung zügige Reformen braucht.

„Große Sorgen bereitet uns der Wettbewerb aus China“, sagt Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW, auf der Jahrespressekonferenz.(Bild:  VDW)
„Große Sorgen bereitet uns der Wettbewerb aus China“, sagt Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW, auf der Jahrespressekonferenz.
(Bild: VDW)

„Wesentliche Grundlage dafür ist die erwartete Erholung der Inlandsnachfrage“, begründet Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW, auf der Jahrespressekonferenz die Prognose. Hohe Kosten, mangelnde Planungssicherheit und das Ausbleiben wirtschaftlicher Reformen zur Stärkung des deutschen Produktionsstandorts hatten die Investitionen im Vorjahr ausgebremst. Nunmehr würden positive Effekte des so genannten Sondervermögens der Bundesregierung erwartet, das in Infrastruktur, Verteidigung, Klimaschutz, Digitalisierung und Mobilität investiert werden soll und zumindest einen kleinen Impuls geben könnte.

2025 war die Produktion um 8 Prozent gesunken. Im Vergleich zum höchsten Ergebnis 2018 beträgt der Abstand damit ein Fünftel. Preisbereinigt ergibt sich sogar eine Lücke von 35 Prozent. Der Rückgang betrifft gleichermaßen den Export und in etwas geringerem Ausmaß den Inlandsabsatz. Die Ausfuhren in alle Weltregionen waren rückläufig. Nur wenige der Top-15-Auslandsmärkte konnten zulegen.

China international auf der Überholspur

„Große Sorgen bereitet uns der Wettbewerb aus China“, sagt Bernhard. Wie erwartet hätten die Chinesen gemäß der geltenden Regierungsstrategie ihre Werkzeugmaschinenausfuhren massiv gesteigert, um 18 Prozent. Verstärkt wurde die Entwicklung durch die Nachfrageschwäche im Land selbst. Entsprechend mussten die deutschen Hersteller ihre internationale Führungsposition im Export an China abgeben. Das Land baut seine Stellung im Asean-Raum weiter kräftig aus, ebenso in Brasilien, im Nahen Osten und in Nordafrika. Auch die Exporte in einige EU-Länder steigen weiter, so nach Deutschland, Polen und Italien, obwohl der Gesamtimport dieser Länder in den vergangenen Jahren eher rückläufig war.

Keine schönen Nachrichten. Wir nutzen jedoch intensiv alle Handlungsoptionen, uns an den strukturellen Wandel anzupassen.

Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW

Dies erfordere schlussendlich leider auch Kapazitätsanpassungen. Im Oktober 2025 hatte die Branche die Zahl ihrer Mitarbeitenden in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um 3,9 Prozent auf 63.300 Frauen und Männern gesenkt.

Damit die Branche wieder Fahrt gewinnt, muss sie alle verfügbaren Handlungsoptionen ausschöpfen. Neben Kapazitätsanpassungen sind das Auslandsproduktion, Diversifizierung der Märkte, Ausbau der Technologieführerschaft, Intensivierung der Forschungsaktivitäten und Rekrutierung von exzellenten Mitarbeitenden.

Local für Local wird immer bedeutender

Zwölf größere Werkzeugmaschinenhersteller produzieren mittlerweile im Ausland. Ihre Auslandsproduktion steht für gut ein Fünftel der gesamten deutschen Werkzeugmaschinenproduktion. 45 Prozent werden in Europa erzielt, 32 Prozent in China und 20 Prozent in den USA. Sie kompensiert sinkende Exporte in wichtige Märkte und stabilisiert das Gesamtergebnis der Unternehmen.

Unternehmen, die dies wahrnehmen können, haben eine bessere Chance, trotz bestehender Handelshemmnisse stärker am lokalen Marktwachstum zu partizipieren und auch Kostenvorteile zu realisieren.

Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW

Absatzmärkte diversifizieren – Europa im Fokus

2025 gingen die deutschen Ausfuhren in die größten Absatzmärkte aufgrund der US-Zölle und des sinkenden chinesischen Imports kräftig zurück. Die Top-Absatzregion der deutschen Hersteller ist der Heimatmarkt Europa, der rund die Hälfte der Ausfuhren aufnimmt. Addiert man den deutschen Markt hinzu, so geht der Löwenanteil des Werkzeugmaschinenabsatzes von über 60 Prozent in die Region. Kundenbranchen wie Rüstungsindustrie, Flugzeugbau, Elektronik, Energie oder Medizintechnik sind vielversprechend. Der Ausbau und die Sicherung kritischer Infrastruktur bei Batterien und Chips, der Aufbau einer Wasserstofftechnologie, Digitalisierung und der Aufbau von Rechenzentren setzen Investitionen in Europa frei. Zwar können sie die Automobilindustrie in ihrer Bedeutung nicht ablösen, jedoch den Transformationsdruck abmildern.

Branchentreff am 3. Dezember 2026

Für die Taktgeber hinter dem Aerospace-Boom

Anwendertreff Zerspanung

Im Rahmen der Veranstaltung werden praxisnahe Fallstudien vorgestellt, in denen Unternehmen und Experten innovative Ansätze diskutieren. Den Teilnehmenden wird es ermöglicht, praxisrelevante Fertigungsstrategien zu reflektieren und in den Dialog mit Experten und Anwendern zu treten – mit dem Ziel, die eigenen Produktionsprozesse kontinuierlich zu verbessern und an den aktuellen Stand der Branche anzupassen.

Mit einem internationalen Exportanteil von 17 Prozent spielt Deutschland trotz des Rückgangs im vergangenen Jahr weltweit eine gewichtige Rolle. „Die Position als zweitwichtigster Lieferant weltweit verdankt die Branche ihrer Technologieführerschaft“, sagt Bernhard. Immer wieder gelinge es den Firmen, wechselnden Anforderungen der Kunden Rechnung zu tragen. Das umfasst die einzelne Maschine ebenso wie komplette Anlagen. Es entstehen innovative Produkte und viele Weltneuheiten. Innovationen werden aktuell besonders durch Automatisierung, Produktivität und Effizienzsteigerung bei Energie- und Materialeinsatz, sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Fertigung vorangetrieben. Themen wir E-Mobilität, digitale Transformation und Künstliche Intelligenz bieten Chancen.

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Hier können wir punkten, weil wir langjährige Erfahrung haben, weil wir Hightech können und weil wir Zugang zu exzellenten wissenschaftlichen Ressourcen besitzen. Außerdem bieten wir ausgereiften Service und Retrofit. Beides gewinnt an Bedeutung, wenn weniger in neue Maschinen investiert wird.

Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW

Forschung und Entwicklung weiter stärken

Die deutsche Technologieführerschaft ist der hohen Forschungs- und Entwicklungsintensität in den Unternehmen zu verdanken. Die F&E-Quote im Maschinenbau liegt bei über 4 Prozent des Umsatzes. 15 Prozent des Umsatzes werden mit Produktinnovationen erzielt. International liegen deutsche Patentanmeldungen auf Platz 4.

Einen spürbaren Schub bei den Forschungsaktivitäten im Maschinen- und Anlagenbau hat die Forschungszulage gebracht. Sie ermöglicht steuerliche Abschreibungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, und ist ein sehr gutes Beispiel dafür, welche Fortschritte durch passende Rahmenbedingungen möglich sind.

Die Forschungszulage könnte weiter verbessert werden, indem der Zugang vereinfacht und unbürokratischer gestaltet wird sowie die genehmigten Mittel schneller ausgezahlt werden.

Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW

Noch betreiben die Maschinenhersteller mehr als vier Fünftel ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Inland. Insbesondere die größeren Firmen erwägen jedoch, Teile gemeinsam mit der Produktion ins Ausland zu verlagern. „Dies gilt es unbedingt zu verhindern“, so Bernhard.

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