Luftfahrttag Boombranche zu Gast bei Hufschmied Zerspanungssysteme

Von Richard Pergler 6 min Lesedauer

Imposante Zuwachsraten kennzeichnen nach dem coronabedingten Nachfrageeinbruch die Orderbücher der Luftfahrtindustrie. Hufschmied Zerspanungssysteme bringt mit seinem "Luftfahrttag" die Branche zusammen.

Wichtige Erkenntnis beim Luftfahrttag von Hufschmid Zerspanungssysteme: Für Zulieferer gibt es dort  noch jede Menge Platz. Die begleitende Fachausstellung mit hochklassiken Unternehmen zeigte auch komplexe Werkstücke wie die hier mit einem Zeiss-System optisch vermessene Turbinenschaufel.(Bild:  Maschinenmarkt/rw)
Wichtige Erkenntnis beim Luftfahrttag von Hufschmid Zerspanungssysteme: Für Zulieferer gibt es dort noch jede Menge Platz. Die begleitende Fachausstellung mit hochklassiken Unternehmen zeigte auch komplexe Werkstücke wie die hier mit einem Zeiss-System optisch vermessene Turbinenschaufel.
(Bild: Maschinenmarkt/rw)

Rund 200 Teilnehmer sind ins Werk von Hufschmied Zerspanungssysteme nach Bobingen bei Augsburg gekommen, um über die aktuelle Lage der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die neuesten Trends und Entwicklungen der Branche zu diskutieren. Stabile Lieferketten, hohe Qualitätsgüte sowie Investitionen in Automatisierung und digitale Fertigung, stehen angesichts geopolitischer Spannungen, verschärfter Exportkontrollen, steigender Rohstoffkosten bei steigenden Fertigungsraten im Fokus.

Schnell wachsende Zukunftsmärkte

Die Luft- und Raumfahrtindustrie sind Märkte, die schneller wachsen als mit den aktuellen Produktionskapazitäten die Nachfrage befriedigt werden kann. Der Flugzeughersteller Airbus etwa hat aktuell einen Auftragsbestand von 8630 Flugzeugen und erwartet dieses Jahr, 820 Stück ausliefern zu können - das bedeutet: ein Arbeitsvorrat nach heutigem Stand für mehr als zehn Jahre!

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Die Ursachen für diesen Auftragsstau sind vielfältig. Ein Mangel an Fertigungskapazitäten, steigende Produktionskosten und Engpässe in den komplexen Lieferketten eröffnen vor allem mittelständischen Unternehmen neue Chancen zum Einstieg in diesen Markt. Notwendig sind allerdings in vielen Fällen Investitionen, die die Unternehmen erst einmal finanzieren müssen. Dazu die Bereitschaft, kontinuierlich die eigenen Fertigungsprozesse zu optimieren, zu digitalisieren und zu automatisieren.

Standort spielt eine große Rolle

Dass für die Luft- und Raumfahrtindustrie auch der Standort eine große Rolle spielt, zeigte Wolfgang Hübschle vom Referat für Wirtschaft, Arbeit, Smart City, Liegenschaften und Marktwesen der Stadt Augsburg. Die Stadt und ihr Umland hat eine reiche luftfahrtindustrielle Vergangenheit, und sie gibt sowohl etablierten Branchenunternehmen wie Airbus Aerostructures oder MT Aerospace ein solides Zuhause mit guten Standortbedingungen und ausgebildeten Mitarbeitern als auch Start-Ups wie der Rocket Factory. Hier ist ein Netzwerk gewachsen, auf das Branchenunternehmen aufbauen können.

In seinem Impulsvortrag „Wir bringen zusammen, was zusammen gehört: Trends in den Bereichen Aerospace, Defence & Space“ identifizierte Andreas Gundel, Geschäftsführer der BavAiria e.V., dem bayerischen Cluster für Luftfahrt, Raumfahrt und Raumfahrtanwendungen, die bayerischen Kernkompetenzen in Luftfahrt, Raumfahrt und Raumfahrtanwendungen. Ziel der Cluster-Initiative ist, die Kompetenzträger stärker miteinander zu vernetzen, um die globale Wettbewerbsfähigkeit dieser Branchen zu steigern. Dazu trägt auch die Veranstaltung bei Hufschmied ihren Teil bei.

Noch viel Platz für Zulieferer

Hochinteressante Einblicke in die aktuelle Situation der Luft- und Raumfahrtbranche gab Norbert Peer, Managing Director bei Airbus Aerostructures in Augsburg (bisher Premium Aerotec) in seiner Keynote „Aktueller Backlog und Produktion, Herausforderungen in der Supply Chain und Blick nach vorne“. Er zeigte unter anderem, wie sich Unternehmen als Zulieferer für die Wachstumsbranche der Luft- und Raumfahrtindustrie aufstellen können, um auch auf den sehr international geprägten Zuliefermärkten erfolgreich agieren zu können.

Um als Zulieferer in der Luftfahrtbranche Fuß zu fassen, kann es hilfreich sein, zu konsolidieren und sich mit anderen Unternehmen zusammenzutun. Wir helfen auch im Eigeninteresse gern dabei, passende Unternehmen zusammenzubringen und aus mehreren kleinen Hidden Champions einen Champion als Zulieferer in der Luftfahrtindustrie zu schmieden.

Norbert Peer, Airbus Aerostructures

In einer lebhaften Panel-Diskussion zum Thema „Ramp-Up vs. Bottle-Necks“ unter der Moderation von Prof. Michael Kupke, Leiter des Zentrums für Leichtbauproduktionstechnologie (ZLP) beim DLR diskutierten Norbert Peer, Stefan Berndes (Leiter Ausrüstung & Werkstoffe beim BDLI) und Andreas Erber, Geschäftsführer des Zulieferers Mubea Aviation, aktuelle Herausforderungen für die Branchenunternehmen und nahmen auch zu Fragen der Zuhörer souverän Stellung. Deutlich wurde insbesondere, dass die Branche offen ist für neue Zulieferer, auch kleine, mittelständische Unternehmen. Allerdings erscheinen vielen wohl die Einstiegshürden zu hoch - vor allem die notwendigen Zertifizierungen und spezialisierten Fertigungsverfahren sind eine Herausforderung.

Fräswerkzeuge in der Luft- und Raumfahrtindustrie

Unter dem Titel „Schnittstelle zur Präzision – Die Rolle des Fräswerkzeugs in der Wertschöpfungskette der Luftfahrtproduktion“ gab Thomas Niefenecker, Leitung Verkauf International/Übersee bei Hufschmied Zerspanungssysteme, interessante Einblicke in die Besonderheiten der Zerspanung in den Prozessketten der Luft- und Raumfahrtbranche. Er zeigte unter anderem einige der vielen Stellschrauben bei der Entwicklung und dem Einsatz material- und prozessspezifischer Fräswerkzeuge für Anwendumngen in der Luft- und Raumfahrt.

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Im Themencluster „Von der Faser zum Flug – Composite- und Fertigungslösungen für die aktuelle und zukünftige Luftfahrt“ zeigte Bernd Demel, Senior Expert Overall Organic Materials & Processes bei Airbus Helicopters Deutschland einen neuen Weg in der Herstellung von Rotorblättern, den Airbus Helicopters gerade beschreitet. Und welche Herausforderungen etwa bei der Weiterentwicklung eines vierblättrigen Rotors zu einem System mit fünf Rotorblättern auftauchten. Wie Leichtbaulösugen in der Luft- und Raumfahrtindustrie die Zukunft von Luftfahrt und Lufttransport beeinflussen können, skizzierte Kai Iven Burmester, Technical Support Engineer bei Hexcel Composites.

Stategien für die Serienfertigung

Mit der zweiten Keynote des Tages „Von der „Kleinserienfertigung“ Flugzeugbau bis hin zur Großserie für Drohnenfertigung - Umgang mit Produktionskapazitäten und Geschäftsstrategien“ eröffnete Andreas Erber, Geschäftsführer beim Zulieferer Mubea Aviation, den zweiten Teil der Vorträge. Er skizzierte seine Strategien zur Serienproduktion von Lieferdrohnen. Darüber hinaus legte er offen, wie sich etwa das Resin Transfer Moulding (RTM), ein Verfahren zur Herstellung von Formteilen aus Faserverbundwerkstoffen aus der Automobilindustrie, für Luftfahrtteile übernehmen und anpassen lässt.

Economy bei den Kosten, First Class im Einsatz: Wir bei Hufschmied kennen die besonderen Anforderungen in der Flugzeugindustrie. Seit vielen Jahren helfen wir Ingenieuren mit unserem umfangreichen Know-How, anspruchsvolle Konzepte zu realisieren..

Christel Hufschmied, Hufschmied Zerspanungssysteme

Unter dem Schwerpunkt "Additive versus subtraktive Verfahren und KI-Einsatz in der Fertigung" beleuchtete zunächst Christoph Machowetz, Key-Account-Manager Aerospace beim Georgensgmünder Präzisionsfertiger Toolcraft, die Chancen und Herausforderungen von Additive Manufacturing in der Aerospace-Industrie. Und Sebastian Krause, Product Engineer bei Hexagon Manufacturing Intelligence Germany, gab einen Einblick in Möglichkeiten, die Programmierung mittels künstlicher Intelligenz zu optimieren.

Aktuelle Entwicklungen in der Raumfahrtindustrie

In einem weiteren Themenschwerpunkt standen aktuelle Entwicklungen in der Raumfahrtindustrie im Fokus - vom Marktüberblick über aktuelle Forschungsprojekte und Fertigung von Strukturbauteilen "Made in Bavaria". Prof. Michael Kupke sprach über Wege ins All: Deutschlands Innovationskraft in der kommerziellen Raumfahrt stand im Blickpunkt seines Beitrags, speziell die Bereiche Kleinsatelliten, Trägerraketen und Orbitalkompetenzen im Digitalen Zeitalter. Matthew Jevons, Head of Composites Materials & Process Technologies beim Augsburger Raketenbauer MT Aerospace, berichtete exklusiv über CFK-Innovationen aus Adem Unternehmen für die Raumfahrt von morgen - etwa über das aus einem Stück gefertigte Landebein für eine künftige wiederverwendbare Raketenstufe.

Profil

Hufschmied Zerspanungssysteme

Partner für Produktionsprozesse

Hufschmied Zerspanungssysteme verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung prozessoptimierender, materialbezogener Zerspanungswerkzeuge für die High-End-Bearbeitung. Die Stärke des Unternehmens ist es, Anwender in ihrem Bestreben zum bestmöglichen Fertigungsprozess zu beraten. Ebenso die Prozesse mit Werkzeugen wie Fräsern und Bohrern von höchster Präzision partnerschaftlich zu optimieren. Dabei geht es meist nicht nur um die reine Werkzeuggeometrie. Die Experten beraten, entwickeln, programmieren und schulen. Und sie nehmen mit ihren Anwendern darüber hinaus nicht nur Werkzeuge in Betrieb. Sondern sie etablieren deutlich effizientere Prozesse nicht nur auf den Maschinen, sondern auch in der Denkweise der Anwender gerade auch in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Link hier

Zum Abschluss des Vortragsprogramms präsentierte Kacper Kolinski, Head of Structures bei Vaeridion, das Konzept und die bisherige Umnsetzung des Vaeridion Microliner, eines vollelektrischen Flugzeugkonzepts für bis zu neun Passagiere. Damit sollen insbesondere auch kleinere Airports nachhaltig und ökologisch ins Luftverkehrsnetz eingebunden werden.

Praxisorientierte Live-Vorführungen

Spannende Live-Vorführungen etwa zur Zerspanung von Komponenten für eine CFK-Flugzeugtür oder zur Live-Fräsbearbeitung einer Turbinenschaufel oder einer Carbonfaser-PEEK-Drohnen-Motorenhalterung rundeten das Programm ab. Dazu kamen lebhafte Diskussionen der Teilnehmer untereinander und an den Ständen ausgewählter luftfahrtrelevanter Partner aus der Produktionstechnik. Die Teilnehmer nutzten intensiv die Gelegenheit, um mit den bewährten Kooperationspartnern, mit denen Hufschmied eng in vielen Projekten zusammenarbeitet, in den direkten Austausch zu treten – und neue geschäftliche Kontakte sowie Kooperationspotenziale zu erschließen.

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